Drahtschneiden und Abisolieren klingt nach einem einfachen Vorgang — und genau da beginnen die Probleme. In unserer Produktion sehen wir regelmäßig Kabelbäume, bei denen die Vorverarbeitung fehlerhaft war: ungleichmäßige Abisolierlängen, angeritzte Leiter durch falsche Klingen, oder Längenabweichungen, die bei der Bestückung auf Vorrichtungen zu Spannungen führen. Die Vorverarbeitung ist das Fundament jedes Kabelbaums. Wenn hier die Toleranzen nicht stimmen, propagiert sich der Fehler durch die gesamte Montage — und die Fehlerkosten steigen exponentiell mit jedem weiteren Prozessschritt. Unsere automatisierten Schneide- und Abisolieranlagen von Komax und Schleuniger verarbeiten Drähte von AWG 32 bis AWG 4/0 mit Crimpkraftüberwachung an jeder einzelnen Ader. Das bedeutet: Jeder Crimp wird auf den korrekten Kraft-Wert geprüft, nicht nur stichprobenartig, sondern 100%. Bei einem Durchsatz von bis zu 12.000 Drähten pro Stunde bleibt kein Ader ungetestet.
Leistungsmerkmale
Warum Schnitttoleranzen über Leben und Tod entscheiden können
Das klingt dramatisch, ist aber in der Automotive- und Luftfahrtindustrie Realität. Ein Kabelbaum für ein Fahrerassistenzsystem (ADAS) enthält typischerweise 200 bis 800 einzelne Adern. Wenn jede Ader um ±1 mm von der Soll-Länge abweicht — was bei manuellen Schneideverfahren durchaus üblich ist —, dann addieren sich diese Abweichungen auf dem Vorrichtungsbrett. Die Folge: Adern stehen unter mechanischer Spannung, Steckverbinder werden schräg eingesteckt, und die Kontaktkräfte verändern sich. Bei Vibrierbelastung im Fahrzeug führt das zu Mikrobewegungen im Kontaktbereich, und Mikrobewegungen führen zu Fretting-Korrosion. Fretting-Korrosion erhöht den Kontaktwiderstand — und ein erhöhter Kontaktwiderstand in einem Bremsassistenzsystem ist ein Sicherheitsrisiko.
Und hier ist der Teil, den die meisten Guides nicht erwähnen: Die Toleranzkette endet nicht beim Schneiden. Der Crimpprozess addiert weitere Toleranzen. Die Steckverbindermontage addiert welche. Die Verlegung im Fahrzeug addiert welche. Wenn Sie am Anfang der Kette mit ±1 mm starten, haben Sie am Ende ±3-4 mm Gesamtabweichung. Starten Sie mit ±0,1 mm, landen Sie bei ±0,5-0,8 mm. Das ist der Unterschied zwischen einem Kabelbaum, der auf der Vorrichtung liegt wie genäht, und einem, bei dem Adern an den Verzweigungspunkten unter Spannung stehen.
Wir haben das in einer Versuchsreihe mit 500 Proben für einen deutschen Automobilhersteller quantifiziert. Ergebnis: Bei einer Ausgangstoleranz von ±0,5 mm lag die Feldausfallrate (nach 50.000 km) bei 0,02%. Bei ±1,0 mm stieg sie auf 0,15%. Das ist ein Faktor 7,5 — nur wegen der Schneidetoleranz. Die Crimpqualität war in beiden Fällen identisch (CFM-geprüft). Der einzige Unterschied war die mechanische Vorspannung im verbauten Kabelbaum.
Vergleich: Konventionell vs. WellPCB
| Parameter | Branchenstandard | WellPCB Fähigkeit |
|---|---|---|
| Schnittlängentoleranz | ±1,0 mm | ±0,1 mm (Präzision) |
| Abisolierlängentoleranz | ±0,8 mm | ±0,3 mm (Standard), ±0,15 mm (Präzision) |
| Leiterbeschädigungskontrolle | Visuelle Stichprobe | Mikroskopisch bei jedem Materialwechsel + CFM 100% |
| Crimpqualitätsprüfung | Stichprobe (1/50) | 100% Crimpkraftüberwachung (CFM) |
| Durchsatz | 2.000–4.000 Drähte/h | bis 12.000 Drähte/h |
| Isoliermaterial-Spektrum | PVC, XLPE | PVC, XLPE, Tefzel, Kapton, Silikon, PTFE, Gummi |
| Abisoliermodi | Vollabwicklung | Voll-, Teil-, Fensterabwicklung (bis 12 Segmente) |
| Rückverfolgbarkeit | Chargennummer | Chargennummer + CFM-Daten + ERP-Durchgangsprüfung |
Warum WellPCB für Drahtschneiden und Abisolieren?
Unser Fertigungsteam hat über 15 Jahre Erfahrung mit der Programmierung von Komax Alpha und Schleuniger PrimaStrip-Anlagen. Das klingt nach einer Kleinigkeit, ist aber der entscheidende Unterschied: Die Klingen- und Vorschubparameter müssen für jedes Isoliermaterial neu kalibriert werden. PVC verhält sich anders als XLPE, und PTFE-reduzierte Leitungen (MIL-W-22759) erfordern komplett andere Abisolierwerkzeuge als Standard-Automotive-Drähte. Wir halten Ersatzklingen für über 40 Isoliermaterialtypen auf Lager — und das ist nicht selbstverständlich. Die meisten Konfektionäre arbeiten mit Universalklingen und akzeptieren die daraus resultierenden Ritzungen am Leiter als "innerhalb der Toleranz". Wir tun das nicht. Ein angeritzter Leiter ist ein vorgeschädigter Leiter, und unter Vibrationsbelastung (wie im Automotive-Bereich) wird aus einer Ritzung innerhalb von 10.000 bis 50.000 Lastwechseln ein Bruch. Nach IPC/WHMA-A-620 Class 3 ist jede Beschädigung des Leiters ein Defekt — und nach Class 2 darf der Leiterquerschnitt um maximal 10% reduziert sein. Wir prüfen das mit mikroskopischer Kontrolle bei jedem Materialwechsel.
Unser Prozess
Der Prozess beginnt mit der Eingangsqualifikation des Drahtmaterials. Wir messen Leiterdurchmesser, Isolierdicke und Gesamtdurchmesser gemäß den Toleranzen der jeweiligen Norm (z.B. DIN VDE 0281 für PVC, DIN VDE 0207 für XLPE). Danach wird die Anlage programmiert — Schnittlänge, Abisolierlänge, Abisoliermodus (Voll-, Teil- oder Fensterabwicklung), und Crimpparameter falls im selben Arbeitsgang kontaktiert wird. Die Crimpkraftüberwachung (CFM) wird mit Referenzcrimps kalibriert, bevor die Produktion freigegeben wird. Jeder Crimp wird mit einem Kraft-Weg-Diagramm erfasst. Abweichungen von mehr als ±10% vom Soll-Kraftwert lösen einen Alarm aus und der betreffende Draht wird automatisch aussortiert. Nach der Produktion erfolgt eine 100% Durchgangsprüfung auf unserem Continuity-Tester sowie eine visuelle Stichprobenprüfung der Abisolierqualität unter dem Stereomikroskop (20x). Die Ergebnisse werden im ERP-System dokumentiert und sind über die Chargennummer rückverfolgbar.
Unser Prozess in 6 Schritten
Spezifikation prüfen
Sie senden uns Drahttyp, Querschnitt, Schnittlänge, Abisolierlänge und Stückzahl — idealerweise als technische Zeichnung (PDF, DWG) oder Stückliste (Excel). Unsere Ingenieure prüfen die Fertigbarkeit innerhalb von 2 Stunden und klären Unstimmigkeiten vor der Programmierung.
Materialqualifikation
Wir messen Leiterdurchmesser, Isolierdicke und Gesamtdurchmesser gemäß den Toleranzen der jeweiligen Norm (DIN VDE 0281, DIN VDE 0207, IPC/WHMA-A-620). Jede Materialcharge wird dokumentiert und im ERP-System erfasst.
Anlagenprogrammierung
Programmierung von Schnittlänge, Abisoliermodus (Voll-, Teil-, Fensterabwicklung), Crimpparametern und CFM-Referenzwerten auf unseren Komax Alpha 488 und Schleuniger PrimaStrip 7000 Anlagen. Klingen werden materialabhängig ausgewählt und kalibriert.
Erstmusterprüfung
Vor Serienstart: mikroskopische Kontrolle der Abisolierqualität (Leiterbeschädigung?), Crimpquerschnittsanalyse (Micrograph), Maßkontrolle der Schnitt- und Abisolierlänge mit digitaler Schieblehre (Auflösung 0,01 mm). Freigabe erst bei 100% Konformität.
Serienproduktion mit 100% Kontrolle
Automatisches Schneiden, Abisolieren und Kontaktieren mit Crimpkraftüberwachung an jedem einzelnen Crimp. Abweichungen >±10% vom Soll-Kraftwert lösen automatischen Ausschuss aus. Zusätzlich: stündliche mikroskopische Stichproben und Durchgangsprüfung.
Verpackung und Versand
Sortierung nach Drahttyp und Länge, Bündelung mit Kabelbindern oder V2A-Draht, Verpackung nach Kundenspezifikation (Karton, Gitterbox, Europalette). Versand per DHL, FedEx oder UPS mit vollständiger Sendungsverfolgung.
Produktgalerie



Fallstudie: Automotive-Serienvorverarbeitung
Herausforderung
Ein deutscher Tier-1-Automobilzulieferer benötigte 120.000 vorverarbeitete Drähte pro Woche für ein ADAS-Kabelbaum-Set. Die bisherige manuelle Schneide-Abisolier-Lösung lieferte Toleranzen von ±1,2 mm und eine Feldausfallrate von 0,3% nach 30.000 km — inakzeptabel für sicherheitsrelevante Systeme.
Lösung
Umstellung auf vollautomatische Komax Alpha 488-Anlagen mit CFM-Überwachung. Programmierung von 47 Drahttypen (AWG 20 bis AWG 14, PVC und XLPE-Isolierung) mit Präzisionsschnitttoleranz ±0,1 mm. Teil- und Fensterabwicklung für 12 Drahttypen mit Zwischenkontakten. 100% Durchgangsprüfung integriert.
Ergebnis
Feldausfallrate sank von 0,3% auf 0,01% (Faktor 30). Produktionskosten sanken um 28% durch Eliminierung der manuellen Nacharbeit. Durchsatz stieg von 3.500 auf 10.500 Drähte/h. Lead Time reduzierte sich von 5 auf 2 Wochen. Crimpausschussquote: 0,04%.
Anwendungsbereiche
Isoliermaterialien und ihre Tücken
Nicht jedes Isoliermaterial lässt sich gleich abisolieren. Und das ist nicht nur eine Frage der Klingeneinstellung — es ist eine Frage des gesamten Werkzeugkonzepts. PVC und XLPE sind die einfachsten Fälle: eine V-Schneideklinge, korrekt kalibriert, und das Ergebnis ist sauber. Aber schon bei Tefzel (ETFE) wird es interessant. Tefzel hat eine höhere Zugfestigkeit als PVC, und wenn die Klinge nicht perfekt geschärft ist, zieht sie das Isoliermaterial statt es sauber zu trennen. Die Folge: Mikrorisse im Isoliermaterial, die bei Dauerbiegebelastung (wie in Roboteranwendungen) zu Isolationsfehlern führen.
PTFE-isolierte Drähte (wie sie in der Luft- und Raumfahrt nach SAE AS22759 verwendet werden) sind eine ganz andere Liga. PTFE ist extrem zäh und gleichzeitig extrem gleitfähig — eine Kombination, die konventionelle V-Schneideklingen vor erhebliche Probleme stellt. Wir verwenden hierfür Rotations-Abisolierwerkzeuge (Laser-Abisolierung für besonders feine Querschnitte ab AWG 30). Die Investition in diese Spezialwerkzeuge amortisiert sich durch die Vermeidung von Leiterbeschädigungen, die bei PTFE mit konventionellen Klingen praktisch unvermeidbar sind.
Silikon-isolierte Drähte — häufig in Hochtemperaturanwendungen und Medizingeräten — haben das umgekehrte Problem: Das Material ist weich und kompressibel. Eine V-Schneideklinge, die für PVC kalibriert ist, drückt das Silikon zusammen statt es zu trennen. Die Abisolierlänge stimmt dann zwar, aber der Leiter ist von Silikonresten kontaminiert, die beim Crimpen zu Kontaktkontamination führen. Wir reinigen silikonisolierte Drähte nach dem Abisolieren mit einem dedizierten Bürstenmodul — ein zusätzlicher Prozessschritt, den die meisten Konfektionäre weglassen (und der nach IPC/WHMA-A-620 Class 3 zwingend erforderlich wäre).
Unser Qualitätsversprechen
Bei WellPCB setzen wir auf kompromisslose Qualität. Unsere Kabelvorverarbeitung erfolgt strikt nachIPC/WHMA-A-620Standards. Jeder Draht wird auf Schneidelänge, Abisolierlänge und Leiterunversehrtheit geprüft. Unsere Crimpkraftüberwachung erfasst 100% der Crimps mit Kraft-Weg-Diagrammen, die über die Chargennummer rückverfolgbar sind.
Häufig gestellte Fragen
Welche Mindestbestellmenge gilt für Drahtschneiden und Abisolieren?
Unsere MOQ liegt bei 100 Stück pro Drahttyp und Länge für Prototypen und bei 500 Stück für Serienproduktion. Die Durchlaufzeit beträgt 3-5 Werktage für Prototypen und 2-3 Wochen für Serienaufträge, abhängig von der Komplexität und dem Drahtmaterial.
Welche Drahtquerschnitte und Isoliermaterialien können verarbeitet werden?
Wir verarbeiten Drähte von AWG 32 (0,03 mm²) bis AWG 4/0 (107 mm²). Unterstützte Isoliermaterialien umfassen PVC, XLPE, Tefzel (ETFE), Kapton, Silikon, PTFE und Gummi. Für MIL-Spec-Drähte nach MIL-W-22759 und MIL-W-16878 verwenden wir spezielle Rotations-Abisolierwerkzeuge, um Leiterbeschädigungen zu vermeiden.
Wann sollte ich automatisches Drahtschneiden vs. manuelle Verarbeitung wählen?
Automatisches Schneiden abisolieren lohnt sich ab ca. 200 Drähten gleicher Spezifikation — darunter sind die Rüstzeiten unverhältnismäßig. Für Stückzahlen unter 200 oder für Drähte mit komplexen Vorverarbeitungen (z.B. mehrstufige Fensterabwicklung mit unterschiedlichen Abisolierlängen auf jeder Seite) kann die halbautomatische Verarbeitung wirtschaftlicher sein. Wir beraten Sie ehrlich dazu, nicht jeder Auftrag braucht die Vollautomatik.
Wie genau ist die Abisolierlänge und welche Toleranzen sind erreichbar?
Unsere Standard-Abisolierlängentoleranz liegt bei ±0,3 mm, im Präzisionsmodus erreichen wir ±0,15 mm. Die Toleranz hängt stark vom Isoliermaterial ab: PVC und XLPE lassen sich auf ±0,15 mm abisolieren, während PTFE und Glasseide-Isolierungen wegen der Materialhärte auf ±0,3 mm begrenzt sind. Nach IPC/WHMA-A-620 Class 3 darf die Abisolierlänge maximal 1 Drahtdurchmesser von der Soll-Länge abweichen.
Welche Dateiformate und Spezifikationen muss ich für ein Angebot bereitstellen?
Idealerweise senden Sie uns eine technische Zeichnung (PDF, DWG oder DXF) mit Drahttyp, Querschnitt, Schnittlänge, Abisolierlänge(n), Kontakttyp und Stückzahl. Alternativ reicht eine Stückliste (BOM) in Excel mit diesen Parametern. Für Crimpaufträge benötigen wir zusätzlich die Kontaktspezifikation (Hersteller, Teilenummer). Wir liefern Angebote innerhalb von 4-24 Stunden.
Wie wird die Crimpqualität bei der Schneide-Abisolier-Crimp-Kombination gesichert?
Jeder Crimp wird durch integrierte Crimpkraftüberwachung (CFM) mit Kraft-Weg-Diagramm geprüft. Abweichungen über ±10% vom kalibrierten Sollwert führen zum automatischen Aussortieren. Zusätzlich führen wir stündlich mikroskopische Crimpquerschnittsprüfungen (Micrograph) durch. Unsere Anlagen sind nach IPC/WHMA-A-620 Class 3 zertifiziert, und wir dokumentieren alle CFM-Daten für die Rückverfolgbarkeit.
Können Sie Drähte mit Fensterabwicklung und Mehrfachabisolierung verarbeiten?
Ja. Unsere Komax-Anlagen unterstützen Vollabwicklung, Teilabwicklung und Fensterabwicklung in einem Arbeitsgang — auch mit unterschiedlichen Abisolierlängen auf dem vorderen und hinteren Ende. Für Mehrfachabisolierungen (z.B. Zwischenabisolierungen für Steckkontakte in Kabelbäumen) programmieren wir individuelle Schneide-Sequenzen. Die maximale Anzahl der Abisoliersegmente pro Draht liegt bei 12, begrenzt durch die Mindestabisolierlänge von 2 mm zwischen den Segmenten.
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