
Ein zu knapp dimensionierter Annular Ring führte bei einem 8-Lagen-Board zu 6,8 % Ausschuss und instabilen Innenlagenanschlüssen. Dieser Guide erklärt, wie Sie Ringbreite, Capture Pads und Via-Strategien für sichere Serienfertigung auslegen.

Hommer Zhao
Gründer & Geschäftsführer, WellPCB
Ein 8-lagiges Steuerboard für ein Industrie-Gateway fiel in der Erstmusterprüfung mit 6,8 % Ausschuss durch. Nicht wegen Impedanz oder Bauteilen, sondern wegen aufgerissener Durchkontaktierungen an mehreren Steckerpads. Die Bohrung war im Fertigungsprozess nur um 65 µm aus der Mitte gelaufen, das Layout hatte aber auf den Innenlagen nur einen Annular Ring von 75 µm vorgesehen. Nach Entgratung und Desmear blieb stellenweise praktisch kein kupferummantelter Ring mehr übrig. Die Korrektur war unspektakulär: größeres Capture Pad, bessere Toleranzreserve, angepasste Via-Strategie. Der Effekt war dagegen groß: Ausschuss unter 0,5 % und keine Barrel-Crack-Befunde mehr im Thermozyklentest.
For more information on industry standards, see printed circuit board and IPC standards.
Genau deshalb gehört der Annular Ring zu den am meisten unterschätzten PCB-Parametern. Wer nur die fertige Bohrung betrachtet und die realen Bohr-, Registrier- und Plating-Toleranzen ignoriert, baut ein Design, das im CAM noch gut aussieht, in der Serie aber unnötig teuer oder instabil wird. Dieser Guide zeigt, wie Sie den Annular Ring für Through-Hole-, Via-, HDI- und Via-in-Pad-Designs belastbar festlegen.
Der Annular Ring ist der radiale Kupferring um ein gebohrtes Loch. Er ergibt sich aus der Differenz zwischen Pad-Durchmesser und Lochdurchmesser. Formal gilt:
Annular Ring = (Pad-Durchmesser - Lochdurchmesser) / 2
Beispiel: 0,80 mm Pad und 0,45 mm fertige Bohrung ergeben einen nominalen Annular Ring von 0,175 mm beziehungsweise 175 µm.
In der Praxis reicht dieser Nominalwert allein nicht. Relevanter ist der minimal verbleibende Annular Ring nach Bohrtoleranz, Lagenversatz, Ätzreduktion und Kupferabscheidung. Genau dieser Wert entscheidet, ob das Pad die Bohrung sicher einfängt oder ob es zu Tangency, Breakout oder schwachen Innenlagenanschlüssen kommt.
Der Ring fängt Bohrwanderung, Registriertoleranz und Materialbewegung beim Pressen ab.
Zu kleine Restbreiten verschlechtern die Anbindung zwischen Barrel, Pad und Innenlage.
Ein robuster Ring reduziert CAM-Rückfragen, Yield-Verluste und teure Sonderfreigaben.
Es gibt keinen universellen Wert für jede Leiterplatte. Was funktioniert, hängt von Bohrverfahren, Lagenzahl, Material, Zuverlässigkeitsklasse und Via-Typ ab. Dennoch gibt es belastbare Richtwerte, mit denen sich die meisten Designs sinnvoll vorqualifizieren lassen.
| Anwendung | Nominaler Annular Ring | Minimaler Zielwert | Kommentar |
|---|---|---|---|
| Standard-Via, 2-4 Lagen | 125-150 µm | 100 µm | Sicherer Serienwert für Standard-FR4 und mechanisches Bohren |
| THT-Stecker / belastete Pins | 175-250 µm | 150 µm | Mehr Löt- und Rework-Reserve, besser für Zug- und Steckkräfte |
| 8+ Lagen / registrierungskritisch | 150-200 µm | 125 µm | Innenlagenversatz und Materialbewegung realistisch einkalkulieren |
| HDI-Microvia | 50-75 µm | Nach Herstellerfreigabe | Nur mit HDI-Prozess, Laserbohrung und sauberem Capture-Pad-Design |
| Via-in-Pad, gefüllt und planarisiert | 75-100 µm | Prozessabhängig | Nicht als Standard-Via behandeln; Füll- und Planarisierungsprozess entscheidet |
Für deutsche Industrieprojekte mit Standard-FR4, 1,6 mm Dicke und mechanisch gebohrten Through-Holes ist ein nominaler Ring von 125 bis 150 µm meist der vernünftige Startpunkt. Alles deutlich darunter verlangt belastbare Freigaben vom Leiterplattenhersteller und gehört nicht stillschweigend in den Standardprozess.
Die typische Fehlannahme lautet: Wenn das CAD 100 µm anzeigt, dann existieren am Ende auch 100 µm. Das ist falsch. Maßgeblich ist die kleinste Restbreite nach allen Streuungen im Prozess.
Geforderte fertige Bohrung: 0,30 mm. Angenommene Positionsabweichung: ±75 µm. Ziel für minimalen Rest-Annular-Ring: 100 µm.
Dann sollte das Pad mindestens betragen:
0,30 mm + 2 × (0,075 mm + 0,10 mm) = 0,65 mm
Ein 0,55-mm-Pad würde im CAD noch „machbar“ aussehen, wäre in der Serie aber bereits im Risikobereich.
Wichtiger Unterschied
Viele EDA-Regeln prüfen nur den nominalen Ring. Für eine belastbare DFM-Bewertung müssen Sie Fertigungstoleranzen separat einrechnen oder mit den Capability-Werten Ihres PCB-Herstellers arbeiten.
Ein zu kleiner Ring erzeugt nicht nur optische Schönheitsfehler. Er beeinflusst direkt die elektrische, mechanische und thermische Zuverlässigkeit der Verbindung.
| Fehlerbild | Ursache | Auswirkung | Typische Folge |
|---|---|---|---|
| Tangency | Bohrung berührt Pad-Rand | Lokale Schwächung der Kupferanbindung | Grenzfall in AOI und Querschliff |
| Breakout | Bohrung liegt teilweise außerhalb des Pads | Unvollständige Barrel-zu-Pad-Anbindung | Offene Verbindung oder reduzierte Schockfestigkeit |
| Innenlagen-Disconnect | Capture Pad zu knapp ausgelegt | Kontaktverlust zu einzelnen Lagen | Intermittierende Ausfälle nach Temperaturzyklen |
| Pad-Lifting bei Rework | Zu wenig Kupferfläche und thermische Reserve | Pad löst sich mechanisch schneller | Nacharbeit kaum beherrschbar |
Besonders kritisch sind Innenlagenanschlüsse. Wenn das Through-Hole auf Außenlagen noch „akzeptabel“ aussieht, kann auf einer Innenlage bereits ein partieller Disconnect vorliegen. Solche Fehler tauchen oft erst bei In-Circuit-Test, Vibrationslast oder Temperaturwechseln auf.

Bohrerdrift, Materialinhomogenität, Paneldehnung und Innenlagenregistrierung addieren sich. Gerade bei dicken Multilayern und kleinen Bohrungen verschiebt sich der reale Lochverlauf stärker, als viele Layoutregeln suggerieren.
Deshalb muss der Capture Pad nicht nur nominell „passen“, sondern einen realistischen Prozesskorridor abbilden.
Wer Annular Rings korrekt spezifiziert, trennt drei Ebenen sauber voneinander: fertige Bohrung, Außenlagenpad und Innenlagen-Capture-Pad. Ein häufiger Fehler ist, dieselbe Padgröße auf allen Lagen zu verwenden, obwohl Innenlagen aufgrund von Registrier- und Ätzstreuung oft mehr Reserve brauchen.
Für Multilayer- und HDI-Projekte sollte der Stackup-Aufbau früh mit dem Via-Konzept abgestimmt werden. Wenn Sie erst nach dem Routing feststellen, dass alle Fan-out-Vias nur mit Minimalringen funktionieren, ist das kein CAM-Thema mehr, sondern ein Architekturproblem.
Via-in-Pad ist kein Standardfall mit kleineren Pads, sondern ein eigener Prozess. Das Via sitzt direkt im SMD-Pad, wird typischerweise kupfergefüllt oder harzgefüllt, planarisiert und anschließend metallisiert. Das Ziel ist Routing-Dichte, nicht Toleranzromantik.
Der Annular Ring am Via selbst kann kleiner sein als bei konventionellen Through-Holes, aber nur unter zwei Bedingungen: Erstens muss der Hersteller den Füll- und Planarisierungsprozess sicher beherrschen. Zweitens muss das Pad für den Bauteilanschluss trotz Via-Lage noch genügend Lötfläche liefern.
Wenn Ihr eigentlicher Bedarf nicht „Via-in-Pad“ heißt, sondern schlicht mehr Routing-Dichte, ist ein sauberes HDI-Konzept häufig wirtschaftlicher als das nachträgliche Schrumpfen aller Annular Rings. Der HDI-Prozess mit Microvias löst das Problem oft systematischer.
Im Einkauf wirkt ein enger Ring zunächst attraktiv: kleinere Pads, dichteres Layout, möglicherweise weniger Lagen. In der Realität verschieben sich die Kosten nur in die Fertigung und Qualitätssicherung.
| Entscheidung | Direkter Vorteil | Versteckte Kosten | Praxisbewertung |
|---|---|---|---|
| Pad um 100 µm verkleinern | Etwas mehr Routing-Freiraum | Mehr CAM-Prüfung, engeres Yield, höhere Rückfragen | Nur sinnvoll mit echter Platznot und bestätigter Capability |
| Standard-Via statt HDI erzwingen | Niedrigerer Basisteilpreis | Schwächere Fan-out-Qualität, mehr Lagen oder riskante Rings | Oft Scheinsparen |
| Großzügiger Ring definieren | Robustere Fertigung und Rework-Fähigkeit | Etwas mehr Fläche, evtl. geringere Routingsdichte | Für Serienprojekte fast immer die wirtschaftlichere Wahl |
Wer Annular Rings auf Kante dimensioniert, spart vielleicht 2 bis 4 % Routingfläche. Ein einziger zusätzlicher NPI-Zyklus, Querschliff oder Feldfehler frisst diesen Vorteil sofort auf. Gerade bei industriellen Serien ist der robuste Ring fast immer billiger als die knappe Lösung.
Die grundlegende Designsprache kommt aus IPC-2221 und den fertigungsspezifischen Anforderungen aus IPC-6012 für starre Leiterplatten beziehungsweise IPC-6016für HDI-Strukturen. Diese Normen helfen bei Mindestanforderungen, ersetzen aber keine Capability-Daten des realen Herstellers.
Wenn Sie regelmäßig deutsche Serien mit hoher Ausfallsensitivität entwickeln, lohnt sich ein eigener DFM-Standard: definierte Ringklassen für Standard-Vias, Steckverbinder, Press-Fit, HDI und Via-in-Pad. Das beschleunigt Layout-Freigaben und senkt spätere Diskussionen mit CAM und Einkauf.
Falls Ihr Team gerade zwischen kleinerem Pad, mehr Lagen oder HDI schwankt, ist das kein Detailproblem mehr, sondern eine Architekturentscheidung. An dieser Stelle sollte das Layout gemeinsam mit Fertigung und DFM bewertet werden, nicht erst nach dem Gerber-Export. Für eine belastbare Vorprüfung unterstützen wir Sie gerne über unsere PCB-Fertigung und die technische DFM-Beratung.
Für Standard-FR4 mit mechanisch gebohrten Vias sind 125 bis 150 µm nominal ein solider Startwert. Der minimal verbleibende Ring sollte in typischen Serienprojekten nicht unter 100 µm fallen, sofern keine bestätigte Sonderfähigkeit des Herstellers vorliegt.
Das Pad ist die Kupferfläche um die Bohrung. Das Capture Pad bezeichnet meist speziell die Innenlagenfläche, die die Bohrung „einfängt“. Der Annular Ring ist die radiale Restbreite zwischen Lochrand und Pad-Außenkante.
Nur innerhalb eines definierten HDI-Prozesses. Laserbohrung, Microvia-Geometrie, Sequential Lamination und Hersteller-Capability bestimmen die Grenzen. Kleine Ringe ohne HDI-Prozess sind kein HDI-Ersatz.
Weil Sie Innenlagenanschlüsse optisch nicht sehen und dort Registrierfehler, Ätzreduktion und Bohrwanderung zusammenkommen. Ein Außenlagenpad kann gut aussehen, obwohl innen bereits ein teilweiser Disconnect vorliegt.
Nicht immer. Ein zu großes Pad kann Routingfläche blockieren, Impedanzführung erschweren oder BGA-Fan-out begrenzen. „Besser“ bedeutet nicht maximal groß, sondern robust genug für den echten Prozess und die geforderte Packungsdichte.
Via-in-Pad reduziert die geometrische Reserve, kompensiert das aber durch Füll-, Planarisierungs- und HDI-Prozesse. Der kritische Punkt ist nicht nur der Ring um das Via, sondern die verbleibende Löt- und Kontaktfläche des gesamten Pads.
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Hommer Zhao
Gründer & Geschäftsführer, WellPCB
Mit langjähriger Erfahrung in der Elektronikfertigung leitet Hommer Zhao das Team bei WellPCB. Seine Leidenschaft: Komplexe technische Themen verständlich erklären.

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