
Koaxialkabel-Daempfung: Tabelle nach Frequenz und Kabeltyp
Wie stark daempfen RG-174, RG-58, LMR-100, LMR-240 oder LMR-400? Die Tabelle zeigt typische Verlustwerte und passende Kabeltypen jetzt.

Hommer Zhao
Gründer & CEO, WellPCB
Eine Koaxleitung, die bei 100 MHz noch unkritisch aussieht, kann bei 2.4 GHz oder 6 GHz plötzlich der größte Verlusttreiber im ganzen System sein. Genau deshalb reicht es für Entwicklung und Einkauf nicht, nur auf Aussendurchmesser oder Steckverbinder zu schauen. Entscheidend ist, wie stark ein Kabel pro Länge und Frequenz daempft und wie viel Reserve nach Steckern, Adaptern und Biegeradien tatsaechlich uebrig bleibt.
Dieser Leitfaden liefert eine praxisnahe Daempfungstabelle für gaengige Koaxialkabel und erklaert, wie Sie Werte richtig lesen. Wenn Sie danach tiefer in Steckverbinder, komplette Baugruppenspezifikation oder Serienprüfung einsteigen wollen, passen auch unser Beitrag zu Koaxialsteckern, unser Leitfaden zur RF-Kabelkonfektion und unsere Seite zur Antennenkabel-Konfektion.
Für Grundlagen verweisen wir bewusst auf stabile oeffentliche Quellen wie Coaxial cable, Skin effect, VSWR und Attenuation. Diese Referenzen sind für Begriffe und Grundlagen robuster als bot-blockende Standardsites.
Daempfung steigt mit Frequenz
Ein Kabel, das bei 100 MHz unkritisch ist, kann bei 6 GHz schnell zum Flaschenhals werden.
Länge wirkt direkt
Verdoppelte Leitung, nahezu doppelte dB-Verluste. Kurze Assemblys sparen oft mehr als jeder spätere Testaufwand.
Aufbau zaehlt
Dielektrikum, Leiteroberfläche und Schirmung entscheiden darueber, wie viel Reserve bei GHz-Frequenzen bleibt.
Nur Messung schafft Freigabe
Datenblattwerte helfen beim Sizing, die Serienfreigabe braucht aber echte IL- und VSWR-Messung an der fertigen Baugruppe.

“Ich sehe regelmäßig Projekte, in denen über Stecker und Gehäuse diskutiert wird, während 3 dB Leitungsverlust im Kabel einfach akzeptiert werden. Ab etwa 2 GHz entscheidet aber oft genau dieser Verlust, ob die Link-Reserve stabil bleibt oder nicht.”
Hommer Zhao
Gruender & CEO, WellPCB
Wie liest man eine Koaxialkabel-Daempfungstabelle richtig?
Zunächst die wichtigste Einordnung: Die meisten Daempfungstabellen nennen Werte in dB pro 100 m oder dB pro 100 ft. Für kurze RF-Assemblys müssen diese Werte sauber auf die reale Länge umgerechnet werden. Wenn ein Kabel bei 2.4 GHz typisch 32 dB pro 100 m verliert, dann liegen Sie bei 3 m Leitung schon bei rund 0.96 dB, bei 10 m Leitung bei rund 3.2 dB. In einem Empfängerpfad oder bei schwachen GNSS- und LTE-Signalen ist das bereits eine relevante Größe.
Zweitens sind Tabellenwerte fast immer typische Herstellerwerte unter definierten Bedingungen. Reale Baugruppen liegen höher, sobald Stecker, Adapter, Temperatur, Biegeradius und Montagevariationen hinzukommen. Wer also 1.5 dB maximalen Gesamtverlust bei 3 GHz spezifiziert, sollte nicht das Kabel mit nominell 1.45 dB Reserve auswählen, sondern bewusst Puffer für die Übergangszonen einplanen.

Typische Daempfung nach Frequenz und Kabeltyp
Die folgende Tabelle ist als praxisnaher Richtwert für 50-Ohm-Kabel zu verstehen. Exakte Werte unterscheiden sich je nach Hersteller, Schirmaufbau und Materialcharge. Für Vorselektion, Angebotsprüfung und erste Architekturentscheidungen ist diese Sicht aber deutlich hilfreicher als ein einzelner Prospektwert bei nur einer Frequenz.
| Kabeltyp | Aussendurchmesser | 100 MHz | 1 GHz | 2.4 GHz | 6 GHz | Praxisbild |
|---|---|---|---|---|---|---|
| RG-174 | ca. 2.8 mm | 17 dB / 100 m | 58 dB / 100 m | 92 dB / 100 m | 150 dB / 100 m | Sehr flexibel, aber nur für kurze Pigtails und kompakte Baugruppen sinnvoll. |
| LMR-100 | ca. 2.8 mm | 14 dB / 100 m | 49 dB / 100 m | 78 dB / 100 m | 127 dB / 100 m | Kompakter als RG-58, etwas besser bei Verlust, aber für lange GHz-Wege weiter kritisch. |
| RG-58 | ca. 4.95 mm | 11 dB / 100 m | 37 dB / 100 m | 60 dB / 100 m | 99 dB / 100 m | Bewaehrter Allrounder für Labor, Test und kürzere Industrie-Assemblys. |
| LMR-240 | ca. 6.1 mm | 7 dB / 100 m | 22 dB / 100 m | 35 dB / 100 m | 58 dB / 100 m | Guter Kompromiss aus Verlust, Flexibilitaet und Kosten für Antenne, Funk und GPS. |
| LMR-400 | ca. 10.3 mm | 4 dB / 100 m | 11 dB / 100 m | 18 dB / 100 m | 30 dB / 100 m | Sehr gute Reserve für längere Leitungen, dafuer größerer Biegeradius und höhere Steifigkeit. |
| 1/2 Zoll Superflex | ca. 13 mm | 3 dB / 100 m | 8 dB / 100 m | 13 dB / 100 m | 22 dB / 100 m | Für niedrige Verluste über längere Strecken stark, aber mechanisch und preislich nicht für jede Assembly passend. |
Die zentrale Aussage ist klar: Kleine Kabel sparen Platz, verlieren aber bei hoher Frequenz schnell mehrere dB. Genau deshalb ist RG-174 für kurze interne Sprungleitungen noch vertretbar, für eine 8 m Aussenantenne bei 2.4 GHz aber meist die falsche Wahl. LMR-240 und LMR-400 gewinnen nicht, weil sie modischer klingen, sondern weil ihr größerer Leiter und das verlustärmere Dielektrikum bei steigender Frequenz deutlich mehr Nutzsignal erhalten.

“Ab rund 5 m Leitung laesst sich ein zu kleines Koax nicht mehr mit gutem Testen wegdiskutieren. Wenn die Architektur 2 bis 6 GHz fahren soll, muss das Kabel früh feststehen, sonst verlieren Sie später Reserve an jeder Schnittstelle.”
Hommer Zhao
Gruender & CEO, WellPCB
Warum nimmt die Daempfung mit der Frequenz so stark zu?
Zwei physikalische Effekte dominieren. Erstens steigt mit der Frequenz der Skin-Effekt: Der Strom verteilt sich immer stärker an der Oberfläche des Leiters, die effektiv nutzbare Leiterquerschnittsfläche schrumpft und der ohmsche Verlust nimmt zu. Zweitens steigen die dielektrischen Verluste im Isolationsmaterial. Je schlechter das Material oder je kleiner die Geometrie, desto früher wird daraus ein sichtbarer dB-Nachteil.
Dazu kommen reale Fertigungseffekte. Eine zu lange Absetzzone, ein gequetschter Innenleiter, ein zu enger Biegeradius oder ein Stecker mit schlechter Zentrierung verschlechtern nicht nur VSWR, sondern erhöhen oft auch die Einfuegedaempfung. In der Praxis ist deshalb nicht nur der nackte Kabeltyp entscheidend, sondern die komplette Assembly inklusive Kontaktierung und Zugentlastung. Gerade bei kundenspezifischen Baugruppen für Antennen, Telematik, Messtechnik oder HF-Module sollte man Kabel und Stecker nie getrennt spezifizieren.
Welcher Kabeltyp passt zu welcher Anwendung?
Für sehr kurze interne Pigtails in kompakten Gehäusen kann ein dünnes Kabel wie RG-174 oder LMR-100 weiterhin sinnvoll sein. Typisch sind Lücken unter 300 mm zwischen Modul und Bulkhead oder zwischen Funkboard und Antenne im Gehäuse. Dort wiegt der mechanische Vorteil den höheren Verlust oft auf. Sobald jedoch mehrere Meter Leitung im Fahrzeug, Schaltschrank oder an einer Aussenantenne noetig sind, kippt diese Rechnung schnell.
RG-58 bleibt für viele Test- und Industrieumgebungen ein brauchbarer Mittelweg, ist aber bei 2.4 GHz oder 5.8 GHz selten die verlustaermste Wahl. LMR-240 ist häufig der wirtschaftlichste Kompromiss für GPS, Wi-Fi, Funkmodule, Gateways und viele Aussenantennen. LMR-400 lohnt sich dort, wo die Leitung länger, die Link-Reserve knapp oder die Empfangsleistung kritisch ist. Wenn Sie parallel noch robuste Automotive-Schnittstellen brauchen, lohnt sich auch der Blick auf unsere Seite zu FAKRA-Verbindern.
| Anwendung | Typische Leitung | Bevorzugte Kabelklasse | Warum |
|---|---|---|---|
| Interner RF-Pigtail im Gerät | 0.1 bis 0.3 m | RG-174 oder LMR-100 | Kleiner Biegeradius und wenig Platz sind hier wichtiger als absolute Daempfungsminimierung. |
| Labor- und Testaufbau | 0.5 bis 3 m | RG-58 oder LMR-240 | Handhabbar, robust und für viele Bench-Setups ausreichend genau. |
| Wi-Fi / LTE / Gateway-Antenne | 2 bis 10 m | LMR-240 oder LMR-400 | Die Leitungslänge macht die niedrigere dB-Pro-Meter-Klasse schnell wirtschaftlich. |
| Aussenantenne mit knapper Reserve | 5 bis 20 m | LMR-400 oder 1/2 Zoll Klasse | Niedriger Verlust zahlt direkt auf Linkbudget und Empfangsreserve ein. |
| Serienbaugruppe mit vielen Steckzyklen | variabel | anwendungsspezifisch | Hier zaehlen nicht nur dB, sondern auch Montagefenster, Zugentlastung und prüfbare Serienqualitaet. |
Für komplette Baugruppen mit Mantel, Label, Zugentlastung und Endtest ist am Ende nicht der nackte Kabeltyp ausschlaggebend, sondern die gesamte Spezifikation. Genau dafuer sind unsere Leistungen in Cable Assembly und kundenspezifischer RF-Konfektion gedacht: Kabelklasse, Stecker, Länge, Testgrenzen und Dokumentation müssen zusammenpassen.

“Wenn ein Team nur den Preis pro Meter vergleicht, fehlt fast immer die wichtigste Zahl: der Verlust im Endsystem. 2 dB mehr Kabelverlust bedeuten in vielen Empfangswegen deutlich weniger Reserve als ein etwas teureres, aber größeres Kabel jemals kosten würde.”
Hommer Zhao
Gruender & CEO, WellPCB
Welche Fehler passieren bei der Kabelauswahl am häufigsten?
Der erste Fehler ist, nur einen Frequenzpunkt zu betrachten. Ein Kabel, das bei 900 MHz noch brauchbar ist, kann bei 5.8 GHz oder 6 GHz technisch schon zu knapp sein. Der zweite Fehler ist, nur den Kabelverlust und nicht die komplette Strecke zu rechnen. Jeder Adapter, jeder Bulkhead und jeder schlecht montierte Stecker fuegt weitere Zehntel-dB oder sogar ganze dB hinzu.
Der dritte Fehler ist fehlende Verifikation an der fertigen Assembly. Für ein Angebot reichen Tabellenwerte, für die Freigabe nicht. In Serienprojekten sollten klare Grenzen für Insertion Loss, VSWR, Zugkraft, Biegeradius und Sichtprüfung definiert sein. Gerade bei Automotive-, Industrie- oder Outdoor-Anwendungen ist ein reiner Durchgangstest zu wenig. Wer nur Kontinuitaet prüft, übersieht genau die Fehler, die später als schwankende HF-Performance oder Feldreklamation auftauchen.
Wie viel Reserve sollte man praktisch einplanen?
Eine einfache Faustregel für frühe Projektphasen lautet: Rechnen Sie nicht nur mit dem nominellen Kabelverlust, sondern addieren Sie für die fertige Assembly einen Sicherheitsaufschlag von mindestens 10 bis 20 Prozent oder alternativ mehrere Zehntel dB pro Steckschnittstelle, je nach Frequenzbereich und Montagekomplexitaet. Bei kritischen Empfangswegen, langen Leitungen oder hohen Frequenzen ist noch mehr Reserve sinnvoll.
Wenn Sie zum Beispiel 8 m Leitung bei 2.4 GHz benoetigen, sieht ein kleiner Kabeltyp auf den ersten Blick oft guenstig aus. Rechnet man jedoch Kabelverlust, zwei Steckverbinder, einen Bulkhead und Montagevariation zusammen, liegt das System schnell über dem geplanten Limit. Ein früher Wechsel auf LMR-240 oder LMR-400 ist in solchen Faellen meist guenstiger als spätere Rework-Schleifen, Antennenwechsel oder Debugging im Feld.
FAQ
Wie viel dB Verlust sind bei 2.4 GHz noch akzeptabel?
Das hängt vom Linkbudget ab, aber für viele 2.4-GHz-Baugruppen sind 1 bis 2 dB pro Assembly noch gut beherrschbar. Oberhalb von etwa 3 dB sollte die Leitung kritisch geprüft werden, besonders wenn zusätzlich Stecker, Adapter oder schwache Empfangssignale im Spiel sind.
Ist LMR-400 immer besser als LMR-240?
Elektrisch fast immer bei langen Leitungen, mechanisch aber nicht automatisch. LMR-400 bietet bei 1 GHz und 2.4 GHz deutlich geringere dB-Verluste, braucht jedoch mehr Bauraum, größere Stecker und einen größeren Biegeradius von mehreren Zentimetern.
Kann ich RG-174 für Wi-Fi oder LTE verwenden?
Ja, aber nur für kurze Strecken. Bei wenigen zehn Zentimetern kann RG-174 für interne Pigtails funktionieren. Bei mehreren Metern und 2.4 GHz, 5 GHz oder LTE-Baendern steigt der Verlust pro 100 m so stark, dass größere Kabel fast immer die robustere Wahl sind.
Warum reichen Datenblattwerte allein nicht für die Freigabe?
Weil das reale Ergebnis von Steckern, Montage, Biegeradius und Temperatur abhängt. Für die Serie sollten mindestens Insertion Loss und VSWR an der fertigen Leitung gemessen werden; bei anspruchsvollen Baugruppen kommen oft Zugprüfung und Sichtprüfung nach IPC/WHMA-A-620 hinzu.
Wie rechne ich dB pro 100 m auf meine reale Leitung um?
Linear über die Länge. Ein Kabel mit 35 dB pro 100 m bei 2.4 GHz liegt bei 3 m also bei rund 1.05 dB, bei 10 m bei 3.5 dB. Danach müssen noch Verluste aus Steckverbindern und Adaptern addiert werden.
Wann sollte ich statt eines dünnen Kabels direkt eine größere Klasse waehlen?
Spaetestens dann, wenn die Leitung länger als 3 bis 5 m wird, die Frequenz über 1 GHz liegt oder die Link-Reserve knapp ist. In diesen Faellen zahlen sich LMR-240, LMR-400 oder aehnliche Low-Loss-Klassen oft schon im ersten Design-Review aus.
Koaxialkabel für Ihr Projekt sauber auslegen
Wenn Sie Frequenzbereich, Kabellänge, Steckverbinder, VSWR-Ziel und maximalen Systemverlust gemeinsam bewerten wollen, unterstuetzen wir Sie bei Auswahl, Kabelkonfektion und Serienprüfung für RF- und Antennenbaugruppen.

Hommer Zhao
Gründer & CEO, WellPCB
Mit langjähriger Erfahrung in der Elektronikfertigung leitet Hommer Zhao das Team bei WellPCB. Seine Leidenschaft: Komplexe technische Themen verständlich erklären.
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