Eine unvollständige PCB-Anfrage kostet Sie durchschnittlich 3-5 Werktage Verzögerung -- und oft auch einen höheren Preis. Der Grund: Fehlende Angaben führen zu Rückfragen, Annahmen und Sicherheitszuschlägen. Mit einer strukturierten Anfrage erhalten Sie in 24 Stunden ein präzises Angebot. Dieser Leitfaden zeigt Ihnen exakt, welche Informationen Ihr PCB-Hersteller braucht.

Die Kernaussage dieses Artikels
Eine vollständige PCB-Anfrage mit allen 8 Pflichtangaben verkürzt die Angebotszeit von 5-7 Tagen auf unter 24 Stunden und reduziert den Endpreis um 10-20%, weil der Hersteller keine Sicherheitszuschläge für unklare Spezifikationen einkalkulieren muss.
Warum eine gute Anfrage über Preis und Lieferzeit entscheidet
Jeder PCB-Hersteller kalkuliert auf Basis Ihrer Angaben. Fehlen Informationen, passiert eines von zwei Dingen: Entweder der Hersteller fragt zurück -- und Sie verlieren Tage. Oder er trifft Annahmen und kalkuliert konservativ -- und Sie zahlen mehr als nötig.
In unserer täglichen Praxis sehen wir, dass über 60% aller Erstanfragen unvollständig sind. Die häufigsten fehlenden Angaben: Oberflächenveredelung, IPC-Klasse und Impedanzanforderungen. Jede Rückfrage kostet im Schnitt 1-2 Werktage -- bei drei fehlenden Angaben summiert sich das schnell auf eine Woche Verzögerung.

“Die Qualität einer Anfrage bestimmt die Qualität des Angebots. Eine vollständige Spezifikation ermöglicht uns, innerhalb von 24 Stunden ein verbindliches Angebot mit exakter Preisaufschlüsselung zu erstellen -- statt tagelang Rückfragen zu stellen.”
Hommer Zhao
Gründer & CEO, WellPCB
PCB-Anfragen in Zahlen
Die 8 Pflichtangaben für eine vollständige PCB-Anfrage
Diese 8 Informationen braucht jeder seriöse PCB-Hersteller, um Ihnen ein präzises Angebot zu erstellen. Fehlt auch nur eine, wird es teurer oder langsamer -- oder beides.
1. Fertigungsdaten (Gerber-Dateien)
Die Gerber-Dateien sind die Grundlage jeder PCB-Fertigung. Ohne sie kann kein Hersteller auch nur einen Kostenvoranschlag erstellen. Stellen Sie sicher, dass Ihr Datenpaket vollständig ist:
- Format: RS-274X (Extended Gerber) oder ODB++ -- kein älteres RS-274D
- Kupferlagen: Alle Top/Bottom- und Innenlagen (*.GTL, *.GBL, *.G2, *.G3 ...)
- Lötstoppmaske: Top und Bottom (*.GTS, *.GBS)
- Bestückungsdruck: Top und Bottom (*.GTO, *.GBO)
- Bohrdaten: Excellon-Format mit Werkzeugliste (*.DRL oder *.XLN)
- Boardumriss: Mechanische Lage mit exakten Platinenkonturen (*.GKO oder *.GM1)
Mehr zum Thema Datenexport finden Sie in unserem Artikel Gerber-Dateien richtig erstellen: Der Praxisleitfaden.
2. Technische Spezifikation
Die technische Spezifikation definiert, wie Ihre Leiterplatte gefertigt werden soll. Diese Parameter beeinflussen den Preis direkt:
| Parameter | Was angeben | Typische Werte |
|---|---|---|
| Lagenzahl | Anzahl der Kupferlagen | 1, 2, 4, 6, 8, 10+ |
| Material | Basismaterial und Tg-Wert | FR4 Tg150, Tg170, Rogers, Polyimid |
| Platinendicke | Gesamtstärke in mm | 0,4 / 0,8 / 1,0 / 1,6 / 2,0 mm |
| Kupferdicke | Kupferstärke pro Lage | 18 µm (0,5 oz), 35 µm (1 oz), 70 µm (2 oz) |
| Oberflächenveredelung | Finish der Lötflächen | HASL, ENIG, OSP, Immersion Silber |
| Lötstoppfarbe | Farbe der Lötstoppmaske | Grün, Schwarz, Blau, Rot, Weiß |
| Min. Leiterbahnbreite/-abstand | Kleinste Struktur im Design | 3/3 mil, 4/4 mil, 6/6 mil |
| Min. Bohrdurchmesser | Kleinste Bohrung | 0,15 mm, 0,2 mm, 0,3 mm |
Wenn Sie unsicher sind, welches Material oder welche Oberflächenveredelung die richtige ist, helfen unsere Vergleichsartikel: PCB-Materialien im Vergleich und ENIG vs. HASL.
3. Stückliste (BOM) -- bei PCBA-Anfragen
Wenn Sie nicht nur die Leiterplatte, sondern auch die Bestückung anfragen (PCBA), ist eine vollständige BOM unverzichtbar. Eine professionelle BOM enthält:
- Referenzbezeichner: R1, C5, U3 etc. (alle Positionen)
- Hersteller-Teilenummer (MPN): z.B. GRM188R71H104KA93D
- Beschreibung: 100nF, 50V, 0603, X7R
- Gehäuseform: 0402, 0603, TQFP-48, BGA-256
- Menge pro Platine: Exakte Stückzahl je Referenz
- Alternativfreigabe: Welche Bauteile dürfen substituiert werden?
Häufiger Fehler: Nur Distributor-Nummern angeben
Digi-Key- oder Mouser-Bestellnummern sind nicht ausreichend. Diese Nummern sind distributorspezifisch und lassen sich nicht eindeutig einem Hersteller-Bauteil zuordnen. Geben Sie immer die Manufacturer Part Number (MPN) an -- die finden Sie auf jedem Datenblatt.
4. Bestückungsdaten (Pick & Place)
Die Pick-&-Place-Datei (auch Centroid-Datei) definiert die Position jedes Bauteils auf der Platine. Ohne sie muss der Bestücker die Positionen manuell aus Ihrem Design ableiten -- das kostet Zeit und erhöht die Fehlerquote.
Die Datei sollte enthalten: Referenzbezeichner, X/Y-Koordinaten (in mm), Rotationswinkel (0-360°) und Bestückungsseite (Top/Bottom).
5. Stückzahl und Losgrößen
Die Stückzahl ist der größte einzelne Preishebel bei der PCB-Fertigung. Geben Sie nicht nur die aktuelle Bestellmenge an, sondern auch:
- Aktuelle Menge: z.B. 500 Stück
- Jahresvolumen: z.B. 5.000 Stück/Jahr in 4 Losen
- Staffelpreise: Fordern Sie Preise für 100/500/1.000/5.000 an
Ein Hersteller, der Ihr Jahresvolumen kennt, kann bessere Konditionen anbieten -- etwa durch Rahmenverträge oder Bauteilvorbestellung. Mehr dazu in unserem Leitfaden zu PCB-Kostenoptimierung.
6. Liefertermin und Dringlichkeit
Express-Fertigung kostet 30-100% Aufpreis. Standard-Lieferzeit (10-15 Tage) ist deutlich günstiger. Geben Sie klar an:
- Wunschlieferdatum: Konkretes Datum, nicht "schnellstmöglich"
- Flexibilität: Ist das Datum verbindlich oder verhandelbar?
- Prototyp oder Serie: Bei Prototypen ist Express oft sinnvoll, bei Serienproduktion selten
Unser Vergleich Express vs. Standard Lieferzeit hilft Ihnen bei der Entscheidung.
7. Qualitätsanforderungen
Definieren Sie explizit die Qualitätsstufe. Ohne Angabe kalkuliert der Hersteller nach dem günstigsten Standard -- was für Ihr Produkt möglicherweise nicht ausreicht.
| IPC-Klasse | Anwendung | Kosten-Aufschlag |
|---|---|---|
| Klasse 1 | Konsumgüter, einfache Elektronik | Basis (Referenz) |
| Klasse 2 | Industrieelektronik, Telekommunikation | +5-15% |
| Klasse 3 | Medizin, Automotive, Aerospace | +20-40% |
Welche IPC-Standards für Ihren Einkauf relevant sind, erfahren Sie in unserem Artikel Top 5 IPC-Standards für PCB-Einkäufer.
8. Testanforderungen
Definieren Sie, welche Tests nach der Fertigung durchgeführt werden sollen:
- E-Test (Standard): 100% elektrische Prüfung auf Kurzschluss/Unterbrechung -- bei den meisten Herstellern inklusive
- Impedanztest: Bei kontrollierten Impedanzen (50/75/90/100 Ohm) -- Prüfprotokoll anfordern
- AOI (PCBA): Automatische optische Inspektion nach SMD-Bestückung
- X-Ray (PCBA): Röntgeninspektion für BGA, QFN und verdeckte Lötstellen
- ICT/Funktionstest: Nach Kundenspezifikation -- Prüfprogramm und Testpunkte bereitstellen

“Wer die Testanforderungen schon in der Anfrage definiert, bekommt ein realistisches Angebot ohne Überraschungen. Nachträgliche Teständerungen in der laufenden Produktion sind immer teurer als von Anfang an richtig spezifiziert.”
Hommer Zhao
Gründer & CEO, WellPCB
Vollständige vs. unvollständige Anfrage: Der Unterschied
Um den Unterschied deutlich zu machen, vergleichen wir zwei reale Szenarien für dasselbe Produkt -- eine 4-Lagen-Platine mit 120 SMD-Positionen, 500 Stück:
Unvollständige Anfrage
- "Bitte Angebot für beiliegende PCB. 4 Lagen, 500 Stück."
- Nur Gerber-Dateien angehängt
- Keine BOM, kein Pick&Place
- Material, Oberfläche, IPC-Klasse: nicht angegeben
- Ergebnis:
- 3 Rückfragen per E-Mail
- Angebotszeit: 5-7 Tage
- Preis: +15% (Sicherheitszuschlag)
- Lieferzeit: unklar, "nach Auftragsklärung"
Vollständige Anfrage
- Alle 8 Pflichtangaben dokumentiert
- Gerber (RS-274X) + BOM (Excel) + Pick&Place
- FR4 Tg170, 1,6 mm, 1 oz Cu, ENIG
- IPC-6012 Klasse 2, 50-Ohm-Impedanzkontrolle
- Ergebnis:
- 0 Rückfragen
- Angebotszeit: unter 24 Stunden
- Preis: Bestpreis ohne Zuschlag
- Lieferzeit: verbindlich 15 Arbeitstage
Die 5 häufigsten Fehler bei PCB-Anfragen
Aus über 15 Jahren Erfahrung und tausenden bearbeiteten Anfragen haben wir die 5 häufigsten Fehler identifiziert, die zu Verzögerungen, Mehrkosten oder Qualitätsproblemen führen:
Fehler 1: Veraltete oder unvollständige Gerber-Dateien
Das Design wurde seit dem letzten Export weiterentwickelt, aber die Gerber-Dateien stammen noch von der alten Version. Oder einzelne Lagen fehlen -- besonders häufig: fehlende Bohrdaten oder fehlender Boardumriss.
Lösung: Exportieren Sie die Gerber-Dateien immer frisch vor dem Versand. Prüfen Sie das Paket mit einem Gerber-Viewer (z.B. dem kostenlosen gerbv oder dem Ucamco Reference Viewer).
Fehler 2: Keine Oberflächenveredelung spezifiziert
HASL (bleihaltig), HASL bleifrei, ENIG, OSP, Immersion Silber -- jede Oberfläche hat einen anderen Preis und andere Eigenschaften. Ohne Angabe wählt der Hersteller die günstigste Option, die für Ihr Produkt möglicherweise ungeeignet ist.
Fehler 3: Impedanzanforderungen vergessen
Wenn Ihr Design kontrollierte Impedanzen erfordert (USB, HDMI, DDR, Ethernet), muss der Hersteller den Lagenaufbau anpassen. Wird die Impedanz nicht in der Anfrage spezifiziert, wird die Platine ohne Impedanzkontrolle gefertigt -- und funktioniert dann nicht.
Fehler 4: "Schnellstmöglich" statt konkretem Datum
"ASAP" ist keine Lieferzeitangabe. Der Hersteller kalkuliert dann Express-Zuschlag, auch wenn Standard-Lieferzeit ausreichen würde. Geben Sie immer ein konkretes Wunschdatum an -- oft ist Standardlieferung schnell genug.
Fehler 5: BOM als PDF statt Excel
PDF-BOMs können nicht automatisch verarbeitet werden. Jeder Bauteilposten muss manuell abgetippt werden -- das kostet Zeit und erhöht die Fehlerquote. Liefern Sie die BOM immer als Excel-Datei (.xlsx) mit standardisierten Spalten.

Checkliste: Vor dem Absenden prüfen
Gehen Sie diese Checkliste durch, bevor Sie Ihre Anfrage absenden. Jeder abgehakte Punkt beschleunigt die Angebotserstellung:
PCB-Anfrage Checkliste

“Ich empfehle jedem Einkäufer, sich 15 Minuten für die Anfrage-Vorbereitung zu nehmen. Diese Investition spart Tage bei der Angebotsphase und oft tausende Euro beim Endpreis. Eine professionelle Anfrage signalisiert dem Hersteller auch: Hier kommt ein professioneller Kunde.”
Hommer Zhao
Gründer & CEO, WellPCB
Der Anfrageprozess bei WellPCB
So einfach funktioniert eine Anfrage bei uns -- von der Kontaktaufnahme bis zum verbindlichen Angebot:
Bei einer vollständigen Anfrage läuft der Prozess so ab:
- 1.Daten-Upload: Sie laden Gerber, BOM und Spezifikation über unser Anfrageformular oder per E-Mail hoch.
- 2.DFM-Prüfung (4 Stunden): Unser Engineering-Team prüft Ihre Daten auf Fertigbarkeit und meldet eventuelle Probleme proaktiv.
- 3.Kalkulation: Auf Basis Ihrer exakten Spezifikation kalkulieren wir den Bestpreis -- ohne Sicherheitszuschläge.
- 4.Angebot (unter 24h): Sie erhalten ein verbindliches Angebot mit detaillierter Preisaufschlüsselung (PCB, Bauteile, Bestückung, Test, Versand).
- 5.Freigabe: Nach Ihrer Bestätigung starten wir die Produktion. Turnkey-Projekte erhalten zusätzlich eine Bauteilkostenaufschlüsselung.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Welches Dateiformat ist für die Gerber-Dateien am besten?
RS-274X (Extended Gerber) ist der Industriestandard und wird von allen Herstellern akzeptiert. Alternativ ist ODB++ eine gute Wahl, da es alle Informationen in einem Paket bündelt. Vermeiden Sie das veraltete RS-274D-Format.
Kann ich ein Angebot ohne BOM erhalten?
Für reine PCB-Fertigung (ohne Bestückung) benötigen Sie keine BOM -- die Gerber-Dateien und technische Spezifikation reichen aus. Für PCBA (Bestückung) ist eine vollständige BOM mit MPNs zwingend erforderlich, da die Bauteilkosten den größten Preisanteil ausmachen.
Was kostet ein Angebot?
Bei WellPCB ist jedes Angebot kostenlos und unverbindlich -- inklusive DFM-Prüfung. Sie erhalten eine detaillierte Aufschlüsselung aller Kosten (PCB-Fertigung, Bauteile, Bestückung, Tests, Versand) ohne versteckte Gebühren.
Wie schnell erhalte ich ein Angebot?
Bei vollständigen Anfragen innerhalb von 24 Stunden (an Werktagen). Bei unvollständigen Anfragen nach Klärung aller offenen Fragen. Tipp: Je vollständiger Ihre Angaben, desto schneller das Angebot.
Muss ich die IPC-Klasse immer angeben?
Ja, denn die IPC-Klasse bestimmt die Fertigungstoleranzen und damit den Preis. Ohne Angabe kalkuliert der Hersteller nach Klasse 1 (günstigste) oder fragt zurück. Für Industrieelektronik ist mindestens Klasse 2 empfehlenswert, für Medizin/Automotive Klasse 3.
Fazit: 15 Minuten Vorbereitung sparen Tage und Tausende Euro
Eine strukturierte PCB-Anfrage ist keine bürokratische Pflichtübung -- sie ist Ihr wichtigstes Werkzeug für schnelle, günstige und fehlerfreie Leiterplatten. Die Investition von 15 Minuten in eine vollständige Anfrage bringt Ihnen:
- Schnellere Angebote: Unter 24 Stunden statt 5-7 Tage
- Bessere Preise: 10-20% günstiger durch Wegfall der Sicherheitszuschläge
- Höhere Qualität: Weniger Missverständnisse, weniger Fehler in der Fertigung
- Verbindliche Termine: Exakte Lieferdaten statt vager Zusagen
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Laden Sie Ihre Gerber-Dateien und BOM hoch -- wir erstellen Ihnen innerhalb von 24 Stunden ein verbindliches Angebot mit kostenloser DFM-Prüfung. Nutzen Sie unsere Checkliste oben, um Ihre Anfrage zu optimieren.
Kostenlos Angebot anfordernWeiterführende Artikel
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- → DFM-Checkliste: 12 Punkte vor der Fertigung prüfen
- → Top 5 IPC-Standards, die jeder PCB-Einkäufer kennen sollte
Quellen
- IPC-6012: Qualification and Performance Specification for Rigid Printed Boards -- der Standard für PCB-Qualitätsklassen
- NCAB Group: PCB Design Checklist -- Industriestandard-Checkliste für fertigungsgerechtes PCB-Design
- Ucamco: The Gerber Format Specification -- offizielle Spezifikation des RS-274X Gerber-Formats



